Österreich im Fokus: Wien und Carnuntum

Da diese Serie nun schon einige Jahre existiert, ist über die einzelnen Gebiete inzwischen fast alles gesagt, vieles wohl schon mehrfach. Im Folgenden sei deshalb mehr auf die Produzenten, ihre Entwicklung und ihr Weinstil eingegangen. Es werden dabei lediglich Produzenten berücksichtigt, die in den letzten Monaten Weine vorgestellt haben, sehen Sie es uns also bitte nach, wenn viele bekannte Namen noch fehlen. Wir stellen weitere Betriebe vor, sowie wir ihre aktuellen Weine probieren konnten.

Wien

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie gut die Wiener Weine selbst von weniger bekannten Produzenten sind. Die berühmte Heurigen-Kultur und der damit verbundene, eher problemlose Absatz scheint sich ganz und gar nicht negativ auf die Qualität der Weine auszuwirken, wie das andernorts durchaus geschieht, wenn ein Großteil der Produktion an Touristen ausgeschenkt wird. Die in der Stadt produzierten Weine sind zwar in den meisten Fällen ausgeprochen süffig, nur liegt das hier nicht daran, dass sie oberflächlich wären, vordergründig fruchtig, süßlich oder banal. Ganz im Gegenteil. Wie kaum einer anderen Weinregion gelingt Wien der Spagat zwischen früher Zugänglichkeit und Charakter, unkompliziertem Trinkspaß und Finesse; selbst die Basisweine haben hier oft schon Klasse. Mit der noch jungen Wiener Gemischter Satz DAC, dessen beste Vertreter zu den bemerkenswertesten Weißweinen des Landes gehören können, hat das Gebiet zudem ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal. Continue reading

Österreich im Fokus: Burgenland

Das Burgenland, das sich rund um den Neusiedler See, aber zwischen Ungarn und der Steiermark auch noch weit nach Süden erstreckt, ist nach Niederösterreich nicht nur das zweitgrößte Weinbaugebiet Österreichs, es ist womöglich auch das vielseitigste. Hierher kommt ein großer Teil der besten Rotweine des Landes, im Osten des Sees vor allem aus Zweigelt produziert, im Westen und Süden überwiegend aus Blaufränkisch. Aber auch aus anderen Sorten wie St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Syrah oder Merlot entstehen im ganzen Gebiet beachtliche, bisweilen auch großartige Weine. Vor allem im Seewinkel im Südosten sowie auf der gegenüberliegenden Seite um Rust werden zudem mit großer Zuverlässigkeit edelsüße Prädikatsweine erzeugt, die in der Spitze ohne Zweifel zu den besten der Welt gehören. Weniger bekannt ist das Gebiet für seine trockenen Weißen, wenn auch zu unrecht. Die Chardonnays können außergewöhnlich gut ausfallen, und auch aus Weiß- und Grauburgunder, Neuburger, Sauvignon, vereinzelt Grünem Veltliner und sogar Welschriesling produzieren die besten Betriebe regelmäßig Erstklassiges. Continue reading

Österreich im Fokus: Weinviertel

Das Weinviertel ist traditionell das erste Weinbaugebiet, dessen neuen Jahrgang wir uns im Rahmen der Österreich-im-Fokus-Reihe genauer ansehen. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Weinviertler Weine bereits früh gefüllt werden und auch für den frühen Genuss gedacht sind. Ausnahmen gab es hier freilich schon immer, aber in den letzten Jahren begannen immer mehr Betriebe damit, charaktervollere, vielschichtigere Weine zu erzeugen, die nicht nur erst später auf den Markt kommen, sondern auch einige Reifezeit benötigen, bis sie zeigen, was in ihnen steckt. Viele dieser Weine fehlen klarerweise noch in dieser Zusammenfassung der ersten Verkostungen aus dem Weinviertel. Wir stellen sie, soweit wir die Proben erhalten, zu einem späteren Zeitpunkt vor.

2015 ist ein auffallend homogenes Jahr. Das wird besonders bei den einfacheren Weinen deutlich, die selten so gleichmäßig gut waren. Das Weinviertel ist das einzige Gebiet, in dem lediglich der Grüne Veltliner als DAC klassifiziert ist. Das erweist sich vor allem in schwierigen Jahren als konsequent, weil sich der Veltliner hier dann fast immr als zuverlässigste Sorte erweist. In guten Jahren allerdings sind ihm andere Sorten mindestens ebenbürtig. Kaum ein anderes Gebiet in Östereich besitzt eine ähnlich große topografische Vielfalt. So ist es nicht verwunderlich, dass je nach Gegend weiße Burgundersorten, Riesling, Muskateller, Traminer oder auch Rotweine beste Bedingungen vorfinden können. Zumindest wenn das Wetter mitspielt, wie das 2015 zumindest dort, wo der Hagel keine großen Verwüstungen angerichtet hat, der Fall war. Continue reading

Österreich im Fokus: Klassische Steirer 2014

Die Steiermark ist in vieler Hinsicht ein Sonderfall in Österreich. Rotweine spielen – obwohl sie immer besser werden – eine ebenso untergeordnete Rolle, wie die sonst überall verbreiteten Leitsorten Grüner Veltliner, der hier überhaupt nicht vorkommt, sowie Riesling, den man allerdings seit einigen Jahren zunehmend ernst nimmt, wenn auch in verschwindend geringer Menge. Für Sauvignon aber, für Muskateller, Traminer und Burgundersorten ist die Steiermark ein Paradies. Aus allen diesen Sorten kommen von hier regelmäßig Weine, die es mit den besten Vertretern ihrer Art weltweit aufnehmen können.

Um die großen Lagen- und Reserveweine soll es hier aber noch gar nicht gehen, sondern vielmehr um die Basis, die Brot- und Butterweine, die Sachen, um die man nicht erst jahrelang im Keller herumschleicht, bis man sie sich öffnen traut. Denn auch hier leisten sich die Produzenten der Steiermark selten Schwächen; die Durchschnitssqualität auch der einfacheren Weine ist hier so hoch, wie in nur sehr wenigen Weingebieten der Welt. Continue reading

Österreich im Fokus: Weinviertel

Schwere Geburt – und doch geglückt

Die Vorzeichen waren nicht die besten für diesen Jahrgang. Überall hörte man Nachrichten von den schwierigsten Bedingungen seit Langem. So waren auch bei uns die Erwartungen an die Weine nicht besonders hoch. Gerade im Weinviertel, wo eher leichte und süffige Weine das Bild prägen, war die Befürchtung groß, überwiegend dünne und grüne Tropfen ins Glas zu bekommen. Um so größer war die Überraschung bei der Probe der ersten Weine der Weinviertel DAC in diesem Jahr. Die überwiegende Mehrheit der DAC-Veltliner war klar, saftig und trinkfreudig. Selbst die einfacheren Weine waren zumeist süffig und ihren günstigen Preis allemal wert. Continue reading

Achtung, Wein! (12)

Meine Empfehlungen aus den Verkostungen der letzten 3 Juli-Wochen

Riesling trocken

Die große Lehre, die man wohl aus 2014 ziehen kann, ist die, dass man heute keinen Jahrgang mehr allein an den Witterungsverhälnissen im Herbst beurteilen kann. Ich erwartete nicht allzuviel von den Proben dieses Jahrgangs. Um so größer ist derzeit regelmäßig die Überraschung. Zwar kann man sich auf die Spitzenproduzenten immer verlassen, aber mit so vielen erstklassigen Weinen, wie sie mir gerade täglich begegnen, war angesichts der Bedingungen des Jahrgangs nicht im Mindesten zu rechnen. Die besten 2014er Rieslinge (und nicht nur die) besitzen den Charme und die Rasse ihrer 2012er Pendants, wirken dabei aber bisweilen noch brillanter und trotz eher niedrigeren Alkohols saftiger und ausdrucksstärker. Und noch etwas lässt sich an den Weinen dieses Jahrgangs in Deutschland klar ausmachen: die ungeheure Dynamik, die derzeit in der Weinszene des Landes herrscht. Man hat das Gefühl, beinahe täglich erscheint ein neuer Name, den man sich ab sofort merken muss.

2014 Burg Layer Riesling, Schloßgut Diel, Nahe, 15€
Ein Musterbeispiel für die besten Rieslinge dieses Jahrgangs: schlank und doch fest gewirkt, hochelegant, dabei ausdruckststark und rassig. Leert sich schon jetzt praktisch von selbst. Auch der Dorsheimer ist eine unbedingte Empfehlung.

2014 Fürfelder Riesling „Melaphyr“, Wagner–Stempel, Rheinhessen, 15€
Neu in Daniel Wagners Sortiment – und schon mit dem ersten Jahrgang eine kleine Sensation: Fest, saftig und stoffig, knochentrocken und mit einer ganz eigenen, intensiven mineralischen Würze. Wird so manches Große Gewächs in den Schatten stellen. Kaum weniger überzeugend ist der saftige, zart süßliche und ebenfalls ausgesprochen mineralische „Porphyr“. Continue reading

Achtung, Wein! (8)

Meine Empfehlungen aus den Verkostungen der letzten 2 Wochen.

Die ersten Proben der 2014er bestätigen das Bild, das sich schon auf den verschiedenen Messen und Präsentationen andeutete: Der Jahrgang ist in Deutschland zweifellos schwierig, die Qualitäten durchwachsen, aber aus guten Händen bekommt man Weine, die oft deutlich zugänglicher und charmanter sind als die 2013er zu diesem Zeitpunkt. Und nicht selten auch deutlich besser. Viele der höherwertigen Weine sind dabei überraschend fein und elegant und kommen damit dem allgemeinen Trend zu dieser Stilrichtúng perfekt entgegen. Wir werden großes Vergnügen mit ihnen haben. In Österreich oder auch Norditalen waren die Schwierigkeiten offenbar noch größer als in Deutschland. Hier waren oft gewaltige Anstrengungen nötig, noch Gutes auf die Flasche zu bringen, weshalb sich die besonderen Empfehlungen des Jahrgangs 2014 auch noch in Grenzen halten.

Deutschland

2013 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG, Peter Jakob Kühn, Rheingau, 30€
Die Spitzenweine von Peter Kühn sollte man nicht auf Verdacht kaufen, oder im Vorbeigehen, weil Riesling draufsteht oder Großes Gewächs. Es sind Unikate, die sich oft jedem Vergleich entziehen – und die auch erfahrene Rieslingtrinker mitunter vor den Kopf stoßen können. Sie sind nicht selten außerordentlich komplex, aber eben auch eigenwillig bis störrisch, meist nur angedeutet fruchtig, dafür würzig, vegetabil, tabakig, mineralisch und phenolisch. Kurz: man liebt sie oder lehnt sie ab. Aber es lohnt sich, sie lieben zu lernen, auch wenn es seine Zeit braucht.

2014 Hallgarten Hedelberg Riesling Erste Lage, Weingut Fürst Löwenstein, Rheingau, 15,50€
Hochelegantes Miniatur-Meisterwerk, das bei nur 11% einen Ausdruck und aromatische Feinheiten mitbringt, die man bei manchem Großem Gewächs vergeblich sucht. Auch die fränkischen Ersten Lagen aus dem Homburger Kallmuth sind ausgezeichnet.

2014 Randersacker Marsberg Riesling trocken Erste Lage „RR“, Weingut Bürgerspital, Franken, 13€
Das Bürgerspital hat heuer eine ganze Reihe hochlklassiger Rieslinge, Silvaner und Weißburgunder produziert, die ich hier eigentlich alle empfehlen könnte. Dieser Riesling aus dem Marsberg ist vielleicht der beste von allen: kühl, geschliffen, kräuterig, floral und mineralisch, knochentrocken, mit Griff, hochfeiner Säure und glasklarem Saft. Ein Musterbeispiel dafür, wie elegant und fein Frankenweine inzwischen sein können. Continue reading

Nachgeschmeckt – Teil 8: Carnuntum

ÖWM / Egon Mark

ÖWM / Egon Mark

Zweigelt-Land

Das Carnuntum zieht sich im Osten Wiens am rechten Ufer der Donau entlang bis an die Slowakische Grenze. Im Süden Wiens reicht das Gebiet bis ans Leithagebirge und das Burgenländische Gebiet Neusiedlersee-Hügelland, im Südosten grenzt es an den Weinbaubereich Neusiedlersee. Dass das Carnuntum quasi das Bindeglied zwischen Niederösterreich und dem Burgenland bildet, merkt man auch den Weinen an. So entstehen hier immernoch erstklassige Grüne Veltliner, die es so im Burgenland kaum mehr gibt; gleichzeitig ist das Gebiet jedoch auch längst Rotweinland.

In erster Linie ist hier die Heimat des Zweigelts. Nirgendwo sonst spielt die Sorte eine ähnlich dominante Rolle – und nirgends identifiziert man sich so stark mit ihm. In nahezu allen wichtigen roten Cuvées – darunter einigen der besten Rotweine Österreichs – ist Zweigelt entweder Hauptbestandteil oder zumindest ein wichtiger Verschnittpartner, und auch reinsortig gibt es ihn in nahezu jedem Betrieb vom einfachen Einstiegstropfen bis zum anspruchsvollen Lagenwein. Alle anderen Rebsorten, ganz gleich ob rot oder weiß, spielen im Carnuntum nur eine Nebenrolle. Dabei können hier Chardonnay, Sauvignon oder auch Muskateller ebenso bemerkenswert ausfallen, wie St. Laurent, Blaufränkisch, Pinot Noir, Syrah oder die Bordeaux-Sorten. Continue reading

Nachgeschmeckt: Österreich, Teil 3 – Wagram

Veltlinerland…

Der Wagram gehört zu den Weingebieten Österreichs, die zumindest außerhalb des Landes eher zu wenig als zu viel Aufmerksamkeit erhalten.  Dabei ist die Region im Grunde ganz einfach zu verstehen: Wagram ist Veltlinerland. Auf rund 60% der Rebfläche steht Grüner Veltliner, so viel wie in keinem anderen Weinbaugebiet. Dazu kommt als besondere Spezialität der Rote Veltliner, der mit dem Grünen allerdings lediglich den Nachnamen gemein hat, ohne mit ihm verwandt zu sein. Die Reben stehen hier zum größten Teil auf Löss. Die oft meterdicken Lössterrassen sind ein idealer Boden für Grünen und Roten Veltliner, aber auch Weißburgunder und Chardonnay fühlen sich hier recht wohl.  Riesling, obschon er als drittwichtigste Sorte de Gebietes gilt, tut sich mit dem Untergrund etwas schwerer. Auch wenn sich immer wieder ausgezeichnete Wagramer Rieslinge finden, die Veltliner haben doch fast immer die Nase vorn.

Die Verkostung der rund 120 Wagramer Weine, die uns heuer bislang vorgestellt wurden, war fast durchweg ein Vergnügen.  Wirklich schwache Weine begegnen uns hier kaum. Dafür vermitteln auch die einfacheren Tropfen ähnlich wie im angrenzenden Wien oft eine unkomplizierte Trinkfreude, ohne banal zu wirken, und selbst die komplexen Spitzenweine bleiben in der Regel ungeheuer animierend.

Einer der führenden Betriebe ist das Weingut Leth in Fels am Wagram. Auch heuer stellte Franz Leth eine Palette von Weinen vor, die in fast allen Kategorien an der Spitze der von uns probierten Auswahl stehen. Seine vielschichtigen und zugleich geschliffenen Veltliner aus den Spitzenlagen Brunnthal und Scheiben sind Jahr für Jahr erstklassig, doch sollte man darüber keinesfalls seinen Grünen Veltliner aus dem Schafflerberg übersehen. Mit weniger als 10 Euro ab Hof ist dieses spannende und dabei hochfeine kleine Meisterwerk einer der preiswertesten Spitzenweine ganz Österreichs. Doch nicht nur die Veltliner, von denen bereits die Klassik-Versionen großes Vergnügen bereiten,  verdienen bei Leth Aufmerksamkeit. Sein „Wagramterrassen“ ist auch einer der wenigen hochklassigen Rieslinge des Jahrgangs im Gebiet. Dazu kommen zwei sehr empfehlenswerte Sauvignon, ein sehr guter, wie recht oft im Gebiet halbtrocken ausgebauter Weißburgunder sowie mit dem „Gigama“ nicht nur der beste Rotwein des Gebiets, sonder auch einer der feinsten Zweigelt überhaupt.

…mit Rotweininseln

Damit wäre das Rotweinthema beinahe schon abgehandelt, was den Wagram betrifft, aber zwei weitere sehr gelungene Zweigelt verdienen doch noch eine besondere Erwähnung: der geschliffene, animierende „Bromberg von Franz Bayer (der übrigens auch einen recht interessanten, süß ausgebauten Roesler im Programm hat), sowie der deutlich kräftigere, etwas schokoladige „Barrique N° 5 vom Urbanihof.

Grün und Rot – alles weiß

Beide Weingüter haben natürlich auch bei den Weißen einiges zu bieten. Im recht umfangreichen Sortiment von Franz Bayer fallen vor allem die Roten Veltliner positiv auf, noch vor den Grünen Veltlinern. Beim Urbanihof ist es eher umgekehrt, obwohl sich beide Sorten hier eigentlich wenig nehmen. Überhaupt sollte man den Betrieb unbedingt im Auge behalten: alles, was wir vom Urbanihof heuer probierten, war von weit überdurchschnittlicher Güte.

Ebenfalls überaus positiv überrascht sind wir vom Weingut Direder in Kirchberg. Die Reserven von Grünem Veltliner und Weißburgunder sind exzellent, der Burgunder womöglich der beste des ganzen Gebietes, aber auch das restliche Sortiment zeigt keinerlei Schwächen. Ganz ähnlich geht es uns mit Franz Sauerstingl, der mit einer bemerkenswerten Serie von Grünen Veltlinern mit den Bezeichnungen „Löss I“ bis „Löss IV“ aufwartet. Zu den besten Grünen Veltlinern des Wagrams gehören auch Steinberg und Mordthal vom Eckhof, die Reserve „vom Wagramer Löss“ von Gerhold, die „Wagramer Selektion“ von Gudrun Grill und die 2012er Reserve von Waldschütz. Weitere gute Rote Veltliner findet man bei Sauerstingl, Gerhold sowie der Familie Ernst in Großwiesendorf. Bei Fritz Salomon vom Gut Oberstockstall sind es weniger die Veltliner, die auffallen, als vielmehr die Burgundersorten. Vor allem der Weißburgunder kann sich sehen lassen, aber auch der Chardonnay gefällt – wie eigentlich jedes Jahr. Bemerkenswert auch hier: beide Weine sind halbtrocken ausgebaut.

Die Bio-Antipoden

Zwei der wichtigsten Weingüter des Wagrams eint zwar die biodynamische Weinbauphilosphie, doch geschmacklich trennt deren Weine doch Welten.  Während Toni Söllner besonders feingliedrige, geschliffene und kühle Weine auf die Flasche bringt, die frühestens  auf den zweiten Schluck zeigen, was in ihnen steckt, sind jene von Wimmer-Czerny – bei im Schnitt ähnlich niedrigen Alkoholgraden – oft etwas ausladender, auch besonders in der Jugend meist deutlich wilder. Viele von ihnen brauchen einige Zeit in der Flasche um sich zu straffen und aromatisch zu stabilisieren. Zweifellos erzeugen jedoch beide Weingüter einige der besten Roten und Grünen Veltliner der Region und auch die Rieslinge sind stets bemerkenswert gut; bei Wimmer-Czerny kommen noch ein sehr guter Weißburgunder und  bemerkenswerter Sekt hinzu.

Zu den verkosteten Weinen im Weinführer:

Grüner Veltliner
Roter Veltliner
Riesling
Weißburgunder
Chardonnay
Sauvignon
Rotweine

 

 

Nachgeschmeckt: Österreich, Teil 2 – Wien

Unvollständiger Spaß

Das kleine Weinbaugebiet Wien hat eine ganze Anzahl ausgezeichneter Weinbaubetriebe vorzuweisen. Schon seit Jahren versuchen wir, die Wiener Weingüter unter einen Hut zu bringen, doch es ist jedesmal nur ein Teil, der uns seine aktuellen Jahrgänge vorstellt, auch wenn es keineswegs jedes Jahr die gleichen Produzenten sind.  Neben einigen Weinviertler Betrieben, die vereinzelt auch Wiener Weine im Sortiment haben sowie dem Winzerhof Leopold aus Stammersdorf, der uns lediglich einige seiner Rotwein-Cuvées vorstellte, waren dies heuer vor allem Fritz Wieninger und Rainer Christ, die auch außerhalb Wiens höchstes Ansehen genießen, sowie das Weingut Fuhrgassl-Huber, dessen Heuriger in Wien einen exzellenten Ruf genießt, dessen Weine mir bislang jedoch noch nicht untergekommen sind. Mein Fehler, wie ich feststellen muss. Riesling und Weißburgunder haben erstaunliche Klasse, vom gemischten Satz ganz zu schweigen, und auch Traminer und Chardonnay können sich sehen lassen.

Das Wien-Phänomen

Bei Fuhrgassl-Huber bestätigt sich auch, was mir in Wien schon seit Längerem auffällt: die meisten Weine der guten Produzenten eint eine unglaubliche Süffigkeit. Sie sind im besten Sinne unkompliziert, dabei aber alles andere als einfach oder ausdrucksarm. Diese Verbindung von weit überdurchschnittlicher Güte und unwiderstehlichem Trinkfluss ist ein Ideal, dass nur wenigen Erzeugern beständig glückt, hier scheint es tatsächlich die Regel zu sein. Man könnte ja durchaus meinen, die Heurigenkultur Wiens sorgte mit ihrem touristischen Zuspruch für einen eher sorglosen Umgang mit der Weinqualität, weil man davon ausgehen kann, dass ohnehin alles weitgehend kritiklos weggepichelt wird, so wie das in anderen touristischen Zentren ja auch meist der Fall ist. Weit gefehlt. Ganz offensichtlich hat man hier das Allerbeste aus der Situation gemacht und sowohl die Süffigkeit als auch die Qualität perfektioniert.

Bei Rainer Christ fallen heuer vor allem der ungeheuer animierende Gemischte Satz ohne Lage sowie der Weißburgunder „Vollmondwein“ in diese Kategorie; bei Wieninger ist es ebenfalls der „einfache“ gemischte Satz (einfach ist hier eigentlich gar nichts), der Riesling sowie der Chardonnay Classic. Dieser wiederum hat mit „Select“ und „Grand Select“ noch zwei erwachsene Brüder, die zu den besten Weinen ihrer Art in Österreich gehören. Ähnliches gilt auch für die beiden herrlichen Veltliner vom Bisamberg und aus dem Kaasgraben, zwei Meisterwerke, die trotz ihrer Kraft enormes Trinkvergnügen bereiten und damit ganz in der Wiener Tradition bleiben.

Höhere Weihen

Etwas komplizierter wird es bei den hochkarätigen Gemischten Sätzen. Seit diesem Jahr genießt der gemischte Satz DAC-Status in Wien, und alle drei der genannten Betriebe warten mit erstklassigen Weinen dieser Kategorie auf. Der „68“ von Fuhrgassl-Huber mit seiner fast spielerischen pfeffrigen Würze ist derzeit wohl noch der animierendste unter den Spitzengewächsen dieser DAC, aber auch er sollte noch ein wenig reifen. Deutlich länger brauchen wird der noch recht unruhige, aber auch ziemlich fest gewirkte, süßlich-saftige und komplexe Bisamberg von Rainer Christ.  Ähnliches gilt für Wieningers Bisamberg, der aber deutlich herber, floraler und tabakiger ausfällt. An der Spitze stehen, wie bald jedes Jahr, Wieningers Alte Reben aus dem Nussberg. Einfachen Trinkfluss findet man hier natürlich nicht mehr, dafür eine außergewöhnliche Komplexität und Tiefe – und eine Lebenserwartung, die in die Jahrzehnte gehen kann.

Rotwien

Doch nicht nur die Weißweine Wiens verdienen Aufmerksamkeit. Gerade Christ und Wieninger produzieren regelmäßig erstklassige Rote, deren Ruhm weit über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Fritz Wieninger konzentriert sich, neben der zuverlässig sehr guten  „Wiener Trilogie“ aus Zweigelt, Cabernet Sauvignon und Merlot, vor allem auf seinen Pinot Noir von dem es wie vom Chardonnay einen „Select“ und einen „Grand Select“ gibt, beide ausgezeichnet, letzterer sicher wiederum einer der besten Österreichs. Rainer Christs Steckenpferd sind eher die Bordeaux-Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot, mal mit Zweigelt in der Cuvée (Mephisto), mal ohne (XXI), aber auch den normalen Zweigelt sollte man auf keinen Fall links liegen lassen. Mit seinem kühlen, herben Saft, seiner Mineralik und feinen Würze bietet er ein Rotwein-Vergnügen, wie man es unter 10 Euro nur sehr, sehr selten findet.

Alle frisch verkosteten Weißweine Wiens
Nur Gemischter Satz DAC
Alle aktuell probierten Rotweine Wiens