Österreich im Fokus: Burgenland

Das Burgenland, das sich rund um den Neusiedler See, aber zwischen Ungarn und der Steiermark auch noch weit nach Süden erstreckt, ist nach Niederösterreich nicht nur das zweitgrößte Weinbaugebiet Österreichs, es ist womöglich auch das vielseitigste. Hierher kommt ein großer Teil der besten Rotweine des Landes, im Osten des Sees vor allem aus Zweigelt produziert, im Westen und Süden überwiegend aus Blaufränkisch. Aber auch aus anderen Sorten wie St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Syrah oder Merlot entstehen im ganzen Gebiet beachtliche, bisweilen auch großartige Weine. Vor allem im Seewinkel im Südosten sowie auf der gegenüberliegenden Seite um Rust werden zudem mit großer Zuverlässigkeit edelsüße Prädikatsweine erzeugt, die in der Spitze ohne Zweifel zu den besten der Welt gehören. Weniger bekannt ist das Gebiet für seine trockenen Weißen, wenn auch zu unrecht. Die Chardonnays können außergewöhnlich gut ausfallen, und auch aus Weiß- und Grauburgunder, Neuburger, Sauvignon, vereinzelt Grünem Veltliner und sogar Welschriesling produzieren die besten Betriebe regelmäßig Erstklassiges. Continue reading

Notizen zur Verkostung: Kamptal

Zwei bedeutende Nachzügler

Die letzten Verkostungen für unser in Kürze erscheinendes Best Of Kamptal vor einigen Tagen waren eine ziemlich erfreuliche Angelegenheit. Das lag vor allem daran, dass sich unter den Betrieben, die ihre Weine erst spät einreichten, einige qualitative Schwergewichte der Region befanden.

Das waren zum Einen Ludwig und Maria Angeles Hiedler, deren Weine erst nach einiger Zeit in der Flasche zeigen, was alles in ihnen steckt. Sie reifen erfahrungsgemäß exzellent. Dass man vor allem in Deutschland nicht öfter über sie spricht, liegt womöglich in ihrer ruhigen, unspektakulären Art, der man mit einiger Aufmerksamkeit begegnen sollte, um den Weinen gerecht zu werden. Die Rieslinge und Veltliner der „Maximum“-Serie zählen regelmäßig zu den absolut besten ihrer Art in Österreich, und Weißburgunder in ähnlicher Qualität zu finden, ist fast nicht möglich.

Der andere Spitzenbetrieb ist das Weingut Jurschitsch, in dem seit wenigen Jahren Alwin Jurtschitsch verantwortlich zeichnet. Unter seiner Regie hat sich der Stil der Weine merklich verändert: sie wirken leichter, eleganter und lebhafter als früher, ohne dabei jedoch an Komplexität und Tiefe einzubüßen. 2012 ist hier ein makelloser Jahrgang, vielleicht der feinste, den wir hier bislang probieren durften.

Die Reserve-Schwemme

Allerdings wurde auch bei dieser Verkostung wieder eine Schwäche des DAC-Systems deutlich, und das längst nicht nur im Kamptal: die Überzahl der Reserven. Da sich die Einteilung im Klassifikatioinssystem nach dem Alkoholgehalt der Weine richtet, darf sich nun jeder Riesling oder Grüne Veltliner ab 13% Vol. Alkohol „Reserve“ nennen. Der Begriff suggeriert jedoch eindeutig eine qualitative Sonderstellung dieser Weine, die sich keinesfalls allein am Alkoholgehalt festmachen lässt. Anhand der aktuellen Praxis entstehen deshalb reihenweise Reserven, die zwar gut, aber nicht erstklassig sind, und die wohl auch von den meisten Betrieben nie als Spitzenprodukte konzipiert sind, was oft schon an der Preisgestaltung klar erkennbar ist.

Irritierend ist das für den Weinfreund gleich in mehrerer Hinsicht. Erwartet er ein absolutes Spitzenprodukt, wird er von vielen Reserven eher enttäuscht sein. Wer jedoch einen hochklassigen aber eben vielleicht doch nicht zu anspruchsvollen Wein sucht, wie das wohl wesentlich öfter der Fall sein dürfte, könnte ihn das Wort „Reserve“ eher abschrecken, gerade in Österreich, wo Spitzenqualität noch ziemlich oft mit einer gewissen Schwere verbunden wird und seltener mit animierendem Trinkfluss. Den jedoch besitzen viele dieser neuen Reserven ganz ohne Zweifel. Etliche von ihnen bieten größtes Trinkvergnügen auf sehr hohem Niveau, ohne jedoch so anspruchsvoll zu sein, dass sie zwangsläufig alle Aufmerksamkeit fordern – und das oft auch noch zu freundlichen Preisen. Nur mit dem Ausdruck „Reserve“ auf dem Etikett tut man ihnen womöglich in keiner Hinsicht einen Gefallen.