Achtung, Wein! (11)

Meine Empfehlungen aus den Verkostungen der letzten 2 Wochen

Deutschland

Weingut der Woche: Weingut Ernst Dautel, Württemberg

Ernst Dautel brachte das seit 1978 selbständig wirtschaftende Weingut schnell an die Spitze der Region und hielt es dort mehr als 3 Jahrzehnte. Doch die Konkurrenz ist groß geworden in den letzten Jahren. Von vielen Weintrinkern außerhalb Württembergs weitgehend unbeachtet, hat sich die Weinqualität im Land zuletzt in der Spitze wie in der Breite enorm weiterentwickelt. In nahezu allen Stilen – zumindest im trockenen Bereich – werden hier inzwischen Weine produziert, die zu den besten des Landes gehören können. Stagnation kann man sich auch und gerade als Spitzenweingut der Region in diesem Umfeld nicht leisten. Ernst Dautels Sohn Christian zeigt mit seinem aktuellen Sortiment ziemlich souverän, dass er mit der Herausforderung bestens umgehen kann. Nie, so kommt es mir vor, waren die Weine finessenreicher und nobler als heute. Auch die kräftigeren Lemberger und Spätburgunder bleiben hier kühl und geschliffen. Nicht nur die Großen Gewächse sind auffallend gut; man sollte keinesfalls die Guts- und Ortsweine übersehen, die für bezahlbares Geld bemerkenswerte Qualität bieten. Das gilt nicht weniger für die Rieslinge, die durchweg überzeugen. Selbst der Bönnigheimer Ortswein für weniger als 9 Euro hat bereits Klasse.

Probiert haben sollte man unbedingt:

2014 Bönnigheimer Riesling Ortswein, 8,60€
2014 Besigheimer Wurmberg Riesling Erste Lage, 12,60€
2011 Bönnigheimer Sonnenberg Lemberger Erste Lage, 18,90€
2012 Cleebronner Michaelsberg Lemberger GG „St. Michaelsfelder“, 25,80€
2013 Cleebronner Spätburgunder „Schilfsandstein“, 12,90€
2012 Bönnigheimer Sonnenberg Spätburgunder, 18,90€
2012 Bönnigheimer Sonnenberg Spätburgunder GG „Kalkschupen“, 25,80€

Weitere Empfehlungen: Riesling

2014 Kiedrich Turmberg, Robert Weil, Rheingau, 24,90€
Kühl, geschliffen, fest und ausgesprochen mineralisch, dazu mit Pfeffer, Trockenkräutern und ziemlich nobler gelber und auch ein wenig schwarzer Frucht. Vielleicht der beste Turmberg bisher. Der schwarzbeerige Einschlag zieht sich heuer fast durch die ganze Kollektion trockener Rieslinge bei Weil; das hohe Niveau auch.

2014 Oestricher Ortswein, Wegeler, Rheingau, 13,50€
Sehr animierender, feinsaftiger, eleganter Riesling mit floralen, kräuterigen und mineralischen Aromen. Sollte gut reifen können, macht aber auch jetzt schon richtig Laune. Der Bernkasteler Ortswein von der Mosel ist nicht weniger empfehlenswert.

2014 Hattenheimer Schützenhaus Erste Lage, Hans Lang, Rheingau, 13,80€
Wie so oft in diesem Jahr ein Riesling mit viel Substanz bei moderatem Alkohol; saftig, fest, griffig, aber auch geschliffen. Noch ein wenig unruhig und eher nicht vor Herbst anzutrinken, dann aber für einige Jahre Reife gut. Bemerkenswert auch der Hattenheimer Ortswein

2014 „Conradus“ trocken, Martin Conrad, Mosel, 9,90€
Noch betont hefig, wie immer bei den Jungweinen von Martin Conrad, dazu mit sehr animierender, schlanker, kühler, süßlich-saftiger Frucht, Biss und Leben; besser habe ich die Basis hier noch nicht erlebt.

2014 Wehlener trocken, Studert-Prüm, Mosel, 7,50€
Nicht völlig trocken, aber sehr harmonisch, schlank, kühl, feinsaftig, lebhaft und straff.

Silvaner/Sylvaner

2014 Appenheimer Eselspfad, J. Bettenheimer, Rheinhessen, 13,90€
Ein Weingut, das man unbedingt im Auge behalten sollte. Die Roten halten noch nicht ganz mit, aber Riesling, Silvaner oder auch Burgundersorten sind hier inzwischen auffällig gut. Das ist vielleicht der beste Wein des Hauses bisher: fest, saftig und deutlich mineralisch, mit Griff und Schmelz. Rheinhessen stand in Sachen Silvaner lange im Schatten Frankens. Das ändert sich gerade.

2014 Westhofener, Katharina Wechsler, Rheinhessen, 9,80€
Sehr viel Silvaner für weniger als 10 Euro: durchweg fein und animierend, dabei saftig, nachhaltig und ziemlich mineralisch. Ein Vergnügen.

2014 Bingener „Quarzit“, Riffel, Rheinhessen, 9,90
Mehr vegetabil und nussig als fruchtig, wie es für Silvaner eben typisch ist, leicht rauchige Anklänge, gute Substanz und gewisser Schmelz. Schon jetzt ein vielseitiger Essensbeglleiter.

2014 Siefersheimer Silvaner, Winzerfamilie Flick, Rheinhessen, 7.90€
Für die Freunde etwas kräftigerer und nicht ganz trockener Silvaner: reife, ein wenig warme Frucht, leicht süßlich, mit nussiger und vegetabiler Würze, floralen Nuancen und einem Hauch dunkler Beeren.

Burgundersorten

2014 Grauburgunder Landwein, Brenneisen, Baden, 8€
Vollkommen trocken, mit feiner, etwas schmelziger Frucht, typisch nussigen und leicht floralen Aromen sowie ausgesprochen feiner, animierender Säure. Der ganz leichte Rotschimmer in der Farbe findet sich als rotbeerige Andeutung auch im Geschmack wieder.

2014 Grauburgunder Kabinett trocken, Kalkbödele, Baden, 7,80
Ein Weingut am Tuniberg, bei dem auch die „kleineren“ Weine immer wieder positiv auffallen. So wie dieser hier: nussig, etwas floral und ziemlich saftig, trotz seiner kompromisslosen Trockenheit, eine Spur Holz und Karamell im Hintergrund, mit Griff und mineralischen Anklängen. Viel Wein fürs Geld.

2014 Bechtolsheimer Weißburgunder, Winzerfamilie Flick, 7,90€
Geradliniger, feinsaftiger, für die Klasse erstaunlich ausgefeilter Wein mit Zitrus-, Pfirsich- und Kernobstaromen, sortentypischen pflanzlichen und nussigen Tönen, feinem Biss und Nachhaltigkeit.

Scheurebe

Ich gesetehe, mich mit der Scheurebe nur selten wirklich anfreunden zu können. Sie erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit, fällt mir aber zu oft unbefriedigend aus: mal schmal, sauer und grün, mal plakativ, mal limonadig, oft genug alles zusammen – zu selten habe ich den Eindruck, einen profunden Wein im Glas zu haben. Gerade in den letzten Jahren fiel es mir immer schwerer, überzeugende Scheureben aufzutreiben. Aus dem Jahrgang 2014 habe ich allerdings bereits zu diesem frühen Zeitpunkt einige sehr erfreuliche Exemplare gefunden, die mir durchaus wieder Hoffnung machen.

2014 Volkacher Ortswein, Zur Schwane, Franken, 8,90€
Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich erfuhr, wie günstig der Wein zu haben ist. So geschliffen, saftig, griffig und feinwürzig habe ich Scheu in dieser Preiskategorie zuletzt kaum mehr erlebt. Hier stört auch die zarte Süße ganz und gar nicht. Hat Klasse!

2014 Stettener Ortswein, Am Stein, Franken, 9,80€
Unkompliziert aber nicht anspruchslos; kräuterig-pflanzlich, süßlich-saftig, lebhaft, griffig und schon jetzt sehr süffig – hat aber auch die nötige Festigkeit, um eine Weile gut reifen zu können.

2014 Gutswein, Katharina Wechsler, Rheinhessen, 7,70€
Noch leicht hefig, aber auch schon ziemlich saftig, etwas süßlich, kräuterig, floral und eine Spur nussig sowie mit den typisch schwarzbeerigen Anklängen der Sorte; in seiner Art und Klasse ziemlich komplett.

Rotweine

2012 Blaufränkisch „R“, Seeger, Baden, 27,50€
Auch außerhalb Württembergs schenkt man dem Blaufränkisch/Lemberger in Deutschland mehr und mehr Beachtung. Ein Pionier auf dem Gebiet ist Thomas Seeger, der mit diesem Exemplar die Latte auch wieder ziemlich hoch legt: Fest, komplex, dicht und herb-saftig, mit sehr gekonnt eingesetztem, leicht rauchigem und tabakigem Holz, Kräuteraromen und feinen gewürzigen Tönen. Braucht jetzt Luft und wird etliche Jahre sehr gut reifen können.

2013 Klingenberger Spätburgunder Ortswein „Churfranken“, Benedikt Baltes, Franken, 18,50€
Man muss gar nicht zu den Großen Gewächsen greifen, um zu sehen, warum Benedikt Baltes sich in so kurzer Zeit einen klingenden Namen in der deutschen Rotweinszene gemacht hat. Schon dieser absolut reintönige, geschliffene, kühle, saftige und feste Klingenberger macht deutlich, dass hier ein Könner am Werk ist. Viele Spätburgunder dieser Klasse wird man für weniger als 20 Euro kaum finden können. Auch die anderen Ortsweine sowie der Gutswein besitzen Klasse.

2013 Würzburger Innere Leiste Spätburgunder Erste Lage, Am Stein, Franken, 15€
Ludwig Knoll hat mich heuer schon mehrfach überrascht mit seinen Weinen. Auch dieser Spätburgunder ist bemerkenswert gut, dank seines Schliffs, seiner Frische und des überaus gekonnt eingesetzten Holzes. Und das zu einem ziemlich freundlichen Preis angesichts der Klasse.

2012 Spätburgunder Barrique Gutswein, Hans Lang, Rheingau, 12,90€
Kräftiger und etwas rustikaler als der vorgenannte Würzburger, aber in seiner Art ebenfalls von ganz erstaunlicher Güte angesichts des Preises: leicht kompottig, mit merklichem, schokoladigem und rauchig-röstigem Holz, aber auch mit der nötigen Substanz, Dichte und Tiefe, jugendlichem Gerbstoff und deutlichen, salzigen mineralischen Tönen.

Italien

Cantina Terlan, Südtirol

Über die Terlaner ist vermutlich alles Wichtige schon einmal gesagt worden, deswegen kann ich es kurz machen: eine bessere Winzergenossenschaft gibt es nicht. Es gibt ja noch nicht einmal besonders viele Weingüter überhaupt in Italien, die regelmäßig Weißweine auf vergleichbarem Niveau produzieren können. Dabei bleibt der Betrieb stets auf dem Teppich, was die Preisgestaltung angeht. Die Weine der mittleren Qualitätsstufe, etwa Sauvignon Winkl, Chardonnay Kreuth oder Weißburgunder Vorberg sind durchweg für weniger als 15€ zu haben und markieren regelmäßig die Spitze dessen, was aus den Sorten in dieser Preisklasse auf dem Markt existiert. Schon diese Weine reifen zudem exzellent; viele von ihnen kann man auch sorglos für die Kinder weglegen. Das gilt natürlich noch mehr für die Selektionen Sauvignon Quarz oder Terlaner NovaDomus (zu Traminer und Rotweinen komme ich an anderer Stelle zurück), die bisweilen echte Weltklasse erreichen und mit rund 30€ weit unter dem bleiben, was Weine dieser Güte woanders kosten können. Die Reifefähigkeit ihrer Weine stellen die Terlander auch mit der Sonderserie „Rarität“ unter Beweis: Weinen, die erst mindestens 10 Jahre nach der Lese auf den Markt kommen. Aktuell ist das ein 2003er Chardonnay, der im Augenblich sehr viel Luft benötig und über Tage zulegt. Man sollte ihn besser noch weitere Jahre liegen lassen.
Ich war gespannt, ob sich das hohe Niveau auch im schwierigen Jahrgang 2014 halten lässt. Nach den ersten Proben sind die Sorgen ausgeräumt: es lässt – und das auch an der Basis, wie der ungemein animierende Weißburgunder zeigt. Man kann auch heuer wieder blind kaufen bei den Terlanern, weshalb ich das Weingut hier als Ganzes mit dem Weinführer verlinke und mir die Aufzählung einzelner Weine spare.

Wen ich mir nicht spare, ist der 2013er Sauvignon „andrius“ der Schwesterkellerei in Andrian, der dem berühmten „Quarz“ der Terlaner kaum nachsteht, aber doch ganz anders schmeckt: etwas weicher und fruchtiger, dabei hochnobel, fest, konzentriert und tief. Die knapp 25€, die er kostet, sind garantiert reuelos angelegt.

Weitere Empfehlungen aus Italien

2014 Vermentino di Gallura DOCG, Cantina Sociale Gallura, ca. 5€
Das ist der kleinere der beiden probierten Weine. Der Superiore „Canayli“ ist zwar noch besser, aber schon dieser spottbillige Einstiegswein macht schon so viel Freude, dass ich ihn nicht unerwähnt lassen konnte. Der Vermentino hat einen ganz eigenen, ruhigen, kernobstartigen Geschmack mit sehr feiner, etwas mandeliger und angedeutet pflanzlicher Würze. Das hier ist ein Paradebeispiel des unkomplizierten aber nicht anspruchslosen, knochentrockenen, feinen italienischen Weißweins, wie ihn alle weinaffinen Italienliebhaber im Kopf haben, aber oft einfach nicht mehr finden.

2013 Terre di Cosenza DOC „Pircoca“, Masseria Falvo, Kalabrien, ca. 10€
Selten hatte ich so viel Freude mit einem kalabrischen Weißwein, wie mit diesem herb-saftigen, nussigen, bei aller Kraft erstaunlich feinen und lebendigen „Pircoca“ aus Guarnaccia Bianca (in Kampanien bekannt als Coda di Volpe) sowie etwas Traminer und Riesling. Jetzt exzellent, sollte er aber auch ein wenig reifen können.

2011 Maremma Toscana IGT „Mèria“, Endrizzi, Toskana, knapp 15€
Trotz ihrer 14% Alkohol erstaunlich kühle und geschliffene Rotweincuvée aus Merlot, Cabernet, Sangiovese und Petit Verdot; reintönig, feinsaftig und straff, mit nur angedeutetem, leicht schokoladigem Holz. Auch der 13er Morellino di Scansano sowie der Serpaiolo aus glechem Jahr sind sehr empfehlenswert, elegant, feinsaftig und sehr geschliffen – und kosten kaum 10 Euro.

2012 Alta Valle della Greve IGT „Il Carbonaione“, Poggio Scalette, Toscana, ca. 30€
Sehr fester und dabei ganz erstaunlich feiner und eleganter Sangiovese mit viel Schliff, feinsten Tanninen und sehr verhalten eingesetztem Holz. Hat schon regelrecht burgundische Finessen und leert sich, wie ich feststellen musste, trotz seiner Jugend schon jetzt praktisch von selbst.

Österreich

2014 Grüner Veltliner Cabinet, Familie Bauer, Wagram, ca. 6,50€
Ziemlich saftiger, etwas nussiger, kräuteriger und mineralischer Veltliner mit Griff und Substanz, aber ohne jegliche Schwere. Sehr viel Wein fürs Geld.

2014 Grüner Veltliner „Kiwanis Wein No 9“, Scheit, Weinviertel, 6,60€
Sehr erfreulicher, kühler, fein-vegetabiler, zartsaftiger und lebhafter, dabei knochentrockener Veltliner mit animierender, etwas an Kümmel erinnernder Würze.

2014 Grüner Veltliner „Velue“, Johannes Zillinger, Weinviertel, ca. 8€
Gerade einmal 11% hat Johannes Zillingers Einstiegs-Veltliner, aber Substanz, Ausdruck und Komplexität wie viele erheblich schwerere (und teurere) Weine nicht. Kühl, feinsaftig, spannend, von ganz eigenem Stil.

2011 „bin 341“, Benjamin Späth, Weinviertel, 10.50
So gut kannte ich Späths rote Spitzencuvée bislang nicht: schwarzbeerig, kirschfruchtig, mit floralen und an Paprika erinnernden Aromen, etwas Kräutern, leicht bitterschokoladigem Holz und erfreulich kühlem Saft.

Frankreich

2012 Givry AOC „Les Bois Chevaux“, Domaine Joblot, Burgund, rund 25€
Burgund ist nicht immer unerschwinglich teuer. Selbst dann nicht, wenn es so gut ist, wie bei diesem herrlichen, überaus geschliffenen und straffen Pinot Noir mit seinem kühlen Saft, seiner Mineralik und seiner aromatischen Tiefe. Noch extrem jung, aber schon heute mit Genuss zu trinken; besser allerdings, man wartet noch 2 bis 5 Jahre. Viel mehr Burgund wird man um diesen Preis nur sehr schwer bekommen können.

 

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