Achtung, Wein! (10)

Meine Empfehlungen aus den Verkostungen der letzten Wochen

Deutschland

Dass Riesling und Weißburgunder des nicht einfachen Jahrgangs 2014 aus guten Händen ganz ausgezeichnet ausfallen können, habe ich früher schon angerissen. Die ersten Grauburgunder sind nicht weniger vielversprechend. Die Sorte braucht meist etwas mehr Kraft und Schmelz als der Weißburgunder, um ihre Stärken auszuspielen, und dennoch fällt auch hier immer wieder die Eleganz des Jahrgangs auf; selbst alkoholstärkere Weine haben oft Schliff und Kühle.

Über die Spätburgunder aus 2012 habe ich mich im Rahmen unseres Best Of  der roten Großen Gewächse schon leise beschwert. Es schien, als kämen die dicklichen, marmeladigen und schokoladig-holzigen Schmeichler zurück. Unter den erst jetzt vorgestellten Weinen finden sich dann aber doch überwiegend Weine der eleganteren, strafferen Sorte, die mich mit dem Jahrgang versöhnen.

2014 Sommerlocher Steinrossel Riesling Erste Lage, Prinz zu Salm-Dalberg, Nahe, 19€
Ganz eigenständiger, ungemein spannender Riesling mit einer speziellen, grünen, aber nicht unreifen Würze, wie ich sie so bislang noch nicht erlebt habe. Schlank, feingliedrig und doch ausdrucksstark.

2014 Gau-Odernheimer Herrgottspfad Riesling trocken, Winzerfamilie Flick, Rheinhessen, 12,90€
Vielleicht der beste Flick-Riesling bisher: saftig und fest, griffig, nachhaltig und für einige Jahre Reife gut.

2014 Riesling vom Rotliegenden, Lisa Bunn, Rheinhessen, 8,80€
Fest, kühl, kräuterig und mit den für den Boden typischen dunkelbeerigen Aromen. Viel Riesling fürs Geld.

2014 Retzbacher Benediktusberg Grauburgunder Erste Lage, May, Franken, 11€
Gut sind Rudolf Mays Weine schon lange, doch in letzter Zeit scheinen sie mir auch merklich an Charakter zu gewinnen. Der Wein hat durchaus Kraft und Schmelz, aber die herbe, kalkig-salzige Mineralik lässt ihn leichter wirken als er ist. Sollte – nícht zuletzt wegen seiner feinen vegetabilen Aromen – einen erstklassigen Essensbegleiter abgeben.

2014 Thüngersheimer Grauburgunder, Juliusspital, Franken, 10€
Auch hier sorgt die kalkige Mineralik für eine ausgesprochen kühle Anmutung, die den Wein erheblich leichter wirken lässt, als man angesichts seines Alkohols vermuten würde. Geschliffen, kräuterig, zart floral und feinsaftig.

2014 Bissersheimer Grauburgunder „Tertiär“, Wageck-Pfaffmann, Pfalz, 9,90€
Ganz erstaunlicher Basis-Grauburgunder mit Saft, Schmelz, festem Gerüst und Mineralik.

2014 Grauburgunder Gutswein, Münzberg, Pfalz, 7,50€
Auch hier der Basiswein, weil er (ebenso wie der Weißburgunder) für sein Geld viel zu bieten hat. Dabei ist hier alles Understatement, nichts drängt sich auf. So viel Noblesse ist in der Klasse selten.

2012 Leimener Herrenberg Spätburgunder Großes Gewächs „Oberklamm RR“, Seeger, Baden, 64€
Stolzer Preis, aber auch stolzer Wein: sehr fest, vielschichtig, griffig, tief und überaus salzig. Absolut erstklassig. Für die Langstrecke gemacht und jetzt nur nach einiger Zeit an der Luft nahbar.

2012 Oberrotweil Eichberg Spätburgunder Großes Gewächs, Salwey, Baden, 35€
Sehr straff, kühl, fein und dabei zupackend. Hocheleganter, mineralischer, anregend saftiger Beweis dafür, dass man auch in ziemlich warmen Gegenden feingliedrigen Spitzenburgunder produzieren kann. 12,5% Alkohol und doch alles dran.

2012 Bönnigheim Sonnenberg Spätburgunder Großes Gewächs „Kalkschuppen“, Dautel, Württemberg, 25,80€
Dautels Spätburgunder haben merklich an Finesse gewonnen in letzter Zeit. Das ist die Spitze eines makellosen Pinot-Sortiments (in dem schon der preiswerte „Schilfsandstein“ Klasse hat): saftig, brillant reintönig, kühl und schon jetzt unwiderstehlich, wenn auch für etliche Jahre Reife gut.

2013 Rhodter Rosengarten Pinot Noir, Stefan Meyer, Pfalz
Sehr interessanter, ziemlich eigenständiger, straffer, würziger, tabakiger und herb-saftiger Spätburgunder, dessen Aromen von Pfeffer und schwarzen Oliven recht deutlich an Syrah erinnern. Leider habe ich auf die Schnelle keinen Preis aufgetrieben und jetzt ist es schon wieder zu spät am Abend, um auf dem Weingut anzurufen.

2012 Klingenberger Portugieser „R“, Benedikt Baltes, Franken, 32€
Die Generalrehabilitation des Portugiesers in Deutschland: fest, konzentriert und doch hochfein, saftig, geschliffen, mineralisch und schon jung ungeheuer animierend. Darf dennoch reifen. Wenn man ihm widerstehen kann.

Österreich

2012 Riesling „Numen“, Johannes Zillinger, Weinviertel, knapp 30€
Biodynamisch erzeugt und auch sonst alles andere als alltäglich: sehr fest und konzentriert, aber nicht schwer, mit viel Saft, aber auch Gerbstoff-Griff und deutlicher Mineralik. Für Fortgeschrittene mit Geduld – vor dem Glas oder vor der Flasche.

2014 Pinot Gris „Die Versuchung“, Gustav Krug, Thermenregion, knapp 25€
Die rote Versuchung ist mir etwas zu bitter und holzig, aber die weiße Version entschädigt einen dafür völlig: dicht, saftig, rund und zugleich fest gewirkt, komplex, tief, lang. Einer der besten Grauburgunder Österreichs.

Ungarn

2014 Portugieser DHC Classicus, Villány-Siklós, Hummel, Südliches Transdanubien, 8.50 €
Nochmal Portugieser, diesmal aber preiswerte Basis und aus Ungarn. Und trotzdem schon die reine Freude! Saftig, herb, kühl, straff, elegant. Irgendwie ist in den Flaschen viel zu wenig drin.

2012 Kékfrankos, DHC Villány Premium, Wassmann, Südliches Transdanubien, 16,50€
Auch die Ungarn können Blaufränkisch. Und zwar ganz hervorragend. Und kühl. Und fest. Und sehr saftig. Dabei herb. Reintönig. Kräuterig. Mineralisch. Ungemein knackig. „Lecker“ wäre hier eine Beleidigung. Dafür schmeckt das viel zu individuell. Und zu gut. Das ist die Mittelklasse des Sortiments. Aber auch Basis und Prestige-Weine sind zumeist exzellent.

Italien

Gerade beginne ich mit den Verkostungen zu unserem Best Of Bonarda. Die überwiegend, in den meisten Fällen sogar ausschließlich aus der Rebsorte Croatina gekelterten, oft sehr dunklen lombardischen Rotweine können ausgesprochen herb ausfallen, aber auch süßlich, mal leicht moussierend, aber auch still. Sie besitzen immer ein straffes Tannin, eine an Brombeeren und Sauerkirschen erinnernde Frucht und eine feine, mal mehr kräuterige, mal mehr florale Würze. Jungweine moussieren fast immer und sind oft zart süßlich, können aber deutlich komplexer ausfallen, als man ihnen auf dem Papier (oder auf den ersten, ungewohnten Schluck hin) zugestehen würde. Sie sind leicht gekühlt ein ebenso genialer Sommer-Rotwein wie guter Lambrusco, dem sie in vieler Hinsicht ähneln. Zur Pizza gibt es kaum etwas Besseres, aber auch sonst sind sie zur mediterranen Sommerküche ebenso vielseitig einsetzbar, wie zu Gegrilltem aller Art. Und sie machen keine Gefangenen: wer nach einer halben Flasche nicht süchtig danach ist, ist vermutlich nicht mehr am Leben.

2014 Bonarda frizzante, Oltrepo Pavese DOC, I Gessi, Lombardei, unter 10€
Bei Bonarda verzieht der Rotweinsnob, der etwas auf sich hält, das Gesicht. Schäumender, womöglich nicht ganz trockener Roter? Dasgehtgarnicht. Doch. Das geht sehr wohl, und wie! So saftig und komplex, so eigenständig, so geschliffen, so nachhaltig und so lang und überhaupt mit so unglaublich viel Spaß in Mengen zu trinken sind sehr, sehr viele prestigeträchtige, teure Angeberweine niemals, waren es nie, werden es nie. Hier herrscht absolute Flaschenleerungsgarantie. Und Neuaufmachungszwang.

2014 Bonarda „Costa del Sole“, Oltrepo Pavese DOC, Marchese Adorno, Lombardei, unter 10€
Wie der Vorgänger, nur anders. Statt Tee und Pfeffer gesellen sich hier zu den typischen Kirsch- und Brombeeraromen Blutorange, Zimt und leicht röstiges Holz. Damit kriegt man vielleicht sogar einen Rotweinsnob dazu, ein Glas zu trinken.

2014 Bonarda frizzante „Unico“, Oltrepo Pavese DOC, Calatroni, Lombardei, unter 10€
Das ist der Prototyp des jugendlichen, knackigen, zart schäumenden Bonarda: saftig, kühl, frisch, lebhaft und herb. Kurz: herrlich!

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