Achtung, Wein! (9)

Meine Empfehlungen aus den Verkostungen der letzten Woche

Deutschland

Nicht nur die Rieslinge sind oft überraschend gut dieses Jahr, auch von den Burgundersorten gibt es Erfreuliches zu berichten. Die Zahl der Produzenten, die weniger auf weiche, bisweilen süßliche Schmeichler, sondern mehr auf straffe, knochentrockene Charakterweine setzen, steigt stetig an, und das Jahr kam ihnen offenbar entgegen. Sogar die Einstiegsweine machen oft schon richtig Spaß; In der Mittelklasse – inzwischen nicht nur im VDP meist die „Ortsweine“ – finden sich Weine einer Güte, die man noch vor wenigen Jahren den Großen Gewächsen vorbehalten hätte. Nur dass sie früher kaum je so elegant waren.

2014 Großkarlbacher Weißburgunder „Kalkmergel“, Wageck-Pfaffmann, Pfalz, 13,90€
Frank und Thomas Pfaffmann haben ihr Weingut in den letzten Jahren nach und in einen pfälzischen Spitzenbetrieb verwandelt. Der kompromisslos trockene, dabei feste, tiefe und charaktervolle „Kalkmergel“-Weißburgunder ist ein beeindruckender Ausweis dieser Entwicklung.

2014 Godramsteiner Weißburgunder Ortswein „Lösslehm“, Münzberg, Pfalz, 12€
Münzberg ist in Sachen Weißburgunder immer eine Bank. Kühl, herb, fest gewirkt, nussig und mineralisch: der „Lösslehm“ ist einer von zwei Ortsweinen aus diesem Jahrgang und für mich dem ebenfalls knochentrockenen und kühlen „Kalkstein“ zumindest derzeit noch einen Hauch überlegen. Allerdings brauchen die auf Kalk gewachsenen Weine oft ein wenig länger, bis sie zeigen, was sie können. Auch der Guts-Weißburgunder für 7,50€ ist ausgezeichnet und eine dringende Empfehlung für den Preis.

2014 Weißburgunder-Chardonnay vom Kalkstein „Goldfass“, Aloisiushof, Pfalz, 14,90€
Kräftiger Barrique-Weißburgunder, der dank seiner völlig trockenen Frucht, seiner Mineralik und dem sehr gekonnt eingesetzten Holz trotz 14% Alkohol erstaunlich leichtfüßig daherkommt. Einer der besten Weine, die ich vom Aloisiushof bisher probieren konnte. Auch der Basis-Weißburgunder „Element“ für nur 6,50€ macht Laune.

2014 Bingener Chardonnay „Tonmergel“, Riffel, Rheinhessen, 9,90€
Riffel ist eines der aufstrebenden Weingüter Rheinhessens, das man unbedingt auf dem Zettel haben sollte. Der saftige, schmelzige, aber auch griffige „Tonmergel“ bietet viel Chardonnay für kleines Geld.

2014 Rödelseer Küchenmeister Bacchus trocken, 3 Zeilen, Franken, 9€
Man kann es kaum anders sagen: wer Bacchus grundsätzlich mag, sollte einen Bogen um diesen Wein machen. Hier ist nichts banal-fruchtig, parfümiert oder süßlich, die floralen Noten sind ausgesprochen fein, dazu kommen zart nussige und erdige Töne, Heu und Mineralik. Braucht derzeit gut einen Tag, bis er zeigt, was er kann, gibt dann aber einen erstklassigen, vielseitigen und eleganten Essensbegleiter ab, der mit der einfachen Brotzzeit ebenso harmoniert, wie mit einem scharfen Thai-Huhn mit viel Koriander (beides selber ausprobiert). Der erste Bacchus meines Lebens, von dem ich die Flasche ausgetrunken habe.

2013 Spätburgunder trocken, Peter Jakob Kühn, Rheingau, 15€
Fest, komplex, kühl, mineralisch, feinsaftig und geschliffen – die reine Freude. Mehr Spätburgunder ist fürs Geld wohl nirgendwo zu bekommen.

Österreich

Die Verkostung der ersten Weinviertler Grünen Veltliner (die hier in der großen Mehrheit als Weinviertel DAC auf den Markt kommen) war eine dicke Überraschung. Angesichts der eher unerfreulichen Nachrichten über den Herbstverlauf in vielen Weinbaugebieten Österreichs, hätte ich eigentlich viel mehr grüne, saure oder auch unklare Weine erwartet. Weit gefehlt. Im Gegensatz zu manch anderen Sorten (die Sauvignons aus dem Weinviertel etwa waren zumeist enttäuschend) hat der Veltliner die Situation gut überstanden. Viele Weine präsentieren sich geschliffen, reintönig und saftig. Einzelne Prestigegewächse mögen das Niveau der besten Jahrgänge nicht erreichen, aber dafür machen sogar schon viele Basisweine Freude.

2014 Weinviertel DAC „Aichleiten“, Schwarzböck, ca. 10€
Schwarzböck ist einer der zuverlässigsten Betriebe des Weinviertels; Seine 2014er Grünen Veltliner sind ausnahmslos eine Empfehlung wert. Der Aichleiten führt das aktuelle Sortiment an: herb-saftig, nussig, leicht tabakig und mineralisch, bei verhältnismäßig niedrigem Alkohol vielschichtig und dicht.

2014 Weinviertel DAC „Alte Reben“, Oberschil-Rieger, deutlich unter 10€
Auch Oberschil-Rieger fällt seit Jahren mit bemerkenswert guten Veltlinern für kleines Geld auf. Selbst im schwierigen Jahr 2014 lässt die Qualität hier keinen Deut nach. Diesem noch ziemlich jugendlich wirkenden Exemplar merkt man die alten Reben schon blind an der typisch dunklen Aromatik an, dazu kommen feiner Saft, Mineralik und schon eine gewisse Tiefe, die man bei Weinen dieser Preisklasse nur selten findet.

2014 Weinviertel DAC „Zeiseneck“, Pfaffl, 7,90€
Der Einstiegs-Veltliner hat mich unter Pfaffls Weinen heuer am meisten überrascht. Weil er im Gegensatz zu den anderen knochentrocken ist, dabei feinsaftig und von fast brillantem Schliff. Alle Veltliner bis hin zur großartigen „Hommage“ sind hier empfehlenswert, aber dass bereits der „kleine“ in diesem Jahrgang so gut ausfällt, ist schon eine Meisterleistung.

2014 Weinviertel DAC „Klassik“, Biowein Weber, 6,50€
Klar, geschliffen und kühl, elegant und doch auch fordernd. Noch ein erstaunlicher Basis-Veltliner des Jahrgangs für wenig Geld.

2012 „Lindbergh“, Dopler, Thermenregion, ca. 25€
Den Pinot Noirs und St. Laurents der Thermenregion fehlt es aus meiner Sicht derzeit häufig ein wenig an echter Tiefe und an Präzision bei meist beherztem Holzeinsatz. In Doplers Spitzenrotwein sind beide Sorten enthalten – und sie scheinen sich gut zu vertragen. Er hat ordentlich Kraft, bleibt dabei aber kühl, mit straffem Bau, Saft, Biss und vielschichtiger Würze.

Slowenien

2008 Bizeljsko Sremič Extra Brut, Prestige, Istenič, Slowenien, 16€
Reifer, substanzieller, dabei sehr harmonischer, ruhiger Spitzensekt aus Slowenien, vegetabil, kräuterig, etwas schmelzig, aber auch mit Griff.

Portugal

2012 Bairrada DOC Baga „Poeirinho“, Quinta de Baixo – Niepoort, ca. 25€
Aus 80 bis 150 Jahre alten Stöcken der spät reifenden, normalerweise aber recht ertragreichen Sorte Baga wurde dieser Debutwein gekeltert – und schon der erste Jahrgang ist umwerfend. Mehr Rotwein kann man bei einem Alkoholgehalt von gerade einmal 12% vermutlich kaum mehr bekommen: tief, fest kühl und betörend saftig, mit ungemein geschliffenen Tanninen, deutlicher Mineralik und hochfeiner, vielschichtiger Würze. Ein kleines Meisterwerk. Auch der Syrah aus gleichem Haus ist erstklassig.

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