Österreich im Fokus: Thermenregion

Das Weinbaugebiet Thermenregion gibt es unter diesem Namen erst seit 1985. Doch das soll nichts heißen. Bereits die Römer erkannten vor mehr als 2000 Jahren die klimatischen und geologischen Vorzüge der Region, deren Weinberge sich heute zwischen der südlichen Stadtgrenze von Wien über Baden an Wiener Neustadt vorbei und vereinzelt bis nach Neunkirchen vor allem entlang des Ostrands des Wienerwaldes erstrecken.

Wie gut die Bedingungen sind, veranschaulicht auch die Vielfalt der hier angebauten Rebsorten; in den Weingärten der Thermenregion ist nahezu alles vertreten, was Österreich zu bieten hat – und noch ein bisschen mehr. Denn der Ruf des Gebietes fußt heute in nicht geringem Maße auf zwei Rebsorten, die man ansonsten fast nirgends auf der Welt findet: Zierfandler (auch Spätrot genannt) und Rotgipfler, beides aller Wahrscheinlichkeit nach natürliche Kreuzungen aus Traminer und Rotem Veltliner. Die beiden werden einzeln, aber auch als – meist Spätrot-Rotgipfler bezeichnete – Cuvée produziert, wobei vor allem der Zierfandler häufig mit mehr oder weniger Restsüße ausgestattet ist (auch erstklassige hochgradige Dessertweine werden angeboten), während der Rotgipfler meist trocken oder weitgehend trocken ausgebaut wird und hier die ganze Bandbreite vom eleganten feinsaftigen und -würzigen Basiswein bis zum kraftvollen Medtationswein abdecken kann. Eine ähnliche Bedeutung hat im Weißweinbereich hier nur der Chardonnay. Gleich eine ganze Reihe Betriebe produziert halbwegs regelmäßig Chardonnays, die mindestens zu den besten Niederösterreichs gehören können. Continue reading

Trinkbefehl! (1/2016)

Meine Empfehlungen aus den Proben der letzten Wochen

Weingut des Monats: Az. Agr. Foradori

Nachdem das Weingut im Jahr 2002 mit der Umstellung auf biodynamische Wirtschaftsweise umgestellt hatte, begannen sich die Weine von Elisabetta Foradori ab Ende der „Nullerjahre“, spätestens aber zu Beginn des neuen Jahrzehnts deutlich zu verändern. Sie wurden merklich kühler, herber und eleganter und gewannen gleichzeitig noch an Tiefe. Die aktuellen Weine stellen sicher den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Das beginnt schon beim kühlen, geschliffenen Standard-Teroldego, der mit seinem säuerlich-herben Saft und seiner ins Salzige gehenden Mineralik einen erstklassigen Essensbegleiter abgeben wird, wenn man ihm noch ein Jahr Reife zuteil werden lässt. Noch mehr Zeit brauchen die beiden Crus „Morei“ und „Sgarzon“, beide ausgesprochen kühl, ganz Finesse und bei gerade einmal 12% Alkohol frappierend tief, vielschichtig und ausdrucksstak. Auch Foradoris legendärer „Granato“, wenngleich mit mehr Kraft, ist so kühl, geschliffen und spannend wie noch nie. Fehlen noch die Weißen, die ebenfalls nicht viel Alkohol brauchen, um zu beeindrucken. Die beiden „Fontanasanta“ sind herb, griffig, feinsaftig und würzig, beide verfügen über einigen Gerbstoffgriff, der Nosiola ist nur noch etwas tiefer und komplexer als der für sich bereits ausgezeichnete Manzoni. Kurz: alles hat hier ganz eigenen Charakter und außergewöhnliche Klasse.

Weitere Empfehlungen

Riesling

2014 Niersteiner Pettenthal ***, Schätzel, Rheinhessen, 35€
Macht eindrucksvoll deutlich, wie gut trockener Riesling auch bei niedrigen Alkoholgraden sein kann: kühl, dicht und tief, mit noch deutlich hefigen Tönen, ganz eigener, herber kräuterig-pflanzlicher Würze und heller Mineralik.

2014 Maximin Grünhäuser Herrenberg Alte Reben trocken, von Schubert, Mosel, 14, 80€
Fest, kühl, saftig, kräuterig und ausgesprochen mineralisch, trotz des niedrigen Alkohols mit Substanz und Tiefe, vielschichtig und lang. Die schlanken und doch ungemein ausdrucksstarken trockenen Rieslinge von Maximin Grünhaus gehören schon seit Jahrzehnten zu den besten Weinen ihrer Art im Gebiet – und dennoch gibt es immernoch erstaunlich wenige Betriebe, die dem Beispiel folgen. Continue reading

Österreich im Fokus: Wachau

In ganz Niederösterreich kamen die Veltliner mit den Jahrgangsbedingungen 2014 merklich besser zurecht als viele andere Sorten, was in der Wachau besonders oft im Vergleich zum Riesling deutlich wird. Zwar haben uns viele Spitzenproduzenten heuer keine Weine vorgestellt, vor allem, weil die Mengen ohnehin schon ziemlich klein waren, aber für einen aussagekräftigen Überblick sollten die probierten Weine durchaus reichen.

Demnach waren selbst die Riesling Smaragde einiger hochklassige Betriebe und aus berühmten Lagen im Gegensatz zu den durchweg überzeugenden Veltlinern nicht so ausdrucksstark wie gewohnt. Sie wirkten bisweilen eher karg und säurebetont, manchmal auch leicht grün. Umso bemerkenswerter ist die Leistung der erfolgreichen Güter in diesem Jahr. Denn es gibt auch 2014 erstklassige Rieslinge in der Wachau, nur muss man eben etwas gründlicher nach ihnen suchen. Continue reading

Österreich im Fokus: Kamptal

Das Kamptal ist nicht nur das zweitgrößte Weinbaugebiet Niederösterreichs, es ist zudem geologisch eines der Abwechslungsreichsten. Das spiegelt sich auch in der Sortenvielfalt wieder. So entstehen hier nicht nur aus den beiden DAC-klassifizierten Sorten Riesling und Grüner Veltliner Weine von unbestreitbarer Weltklasse, auch die weißen Burgunder, Sauvignon und sogar Rotweine können hervorragend ausfallen, weshalb ihre Rebfläche derzeit auch stetig steigt. Nur 2014 hatten sie es schwer.

Grüner Veltliner – von wegen schwieriges Jahr

Hauptsorte ist und bleibt auch im Kamptal, wie in den meisten niederösterreichischen Gebieten, der Grüne Veltliner, auch wenn seine Anbaufläche derzeit ein wenig schrumpft, vor allem zugunsten roter Sorten. 2014 stellt sich die Dominanz jedenfalls wieder einmal als Glücksfall heraus, denn keine andere Rebsorte kam besser mit den Bedingungen des Jahrgangs zurecht. Viele Kamptaler Betriebe scheinen an der Herausforderung noch gewachsen zu sein, geht man nach den Ergebnissen unserer Verkostung. Continue reading

Trinkbefehl (2/2015): Rotwein Spezial

Nachdem sich der letzte Trinkbefehl ausschließlich mit Weißweinen beschäftigte, geht es diesmal um die besten Roten aus den Verkostungen der letzten Wochen. Spätburgunder/Frühburgunder, Lemberger/Blaufränkisch, Bonarda und Montefalco werden in den kommenden 2 Monaten in eigenen BEST OFs behandelt, weshalb ich sie hier auslasse. Lang genug wird die Liste meiner aktuellen Empfehlungen auch so.

Deutschland

2011 „Wollendieb“, G.A. Heinrich, Württemberg, 28€
Sehr moderne Cuvée mit deutlichen, dunkel-röstigen Holzaromen, sehr reifer Frucht und wärmendem Alkohol, doch was sie weit aus dem Mainstream heraushebt, ist ihre Festigkeit, ihr herber Stil, die Konzentration und die Spannung, die sie viel mehr fordernd als einschmeichelnd wirken lassen. Aus 50% Lemberger sowie zu gleichen Teilen Cabernet Dorsa und Cabernet Cubin. Wer weniger Geld ausgeben möchte und dennoch einen vollwertigen Rotwein modernerer Art sucht, ist mit dem etwas weicheren, ein wenig süßlich-holzwürzigen, aber ebenfalls geschliffenen 2012er „Fass N° IV“ für gerade mal 9 Euro bestens bedient. Continue reading

Österreich im Fokus: Kremstal

Das Kremstal ist in den Letzten Jahren immer mehr aus dem Schatten der benachbarten Wachau herausgetreten. Inzwischen hat sich auch außerhalb Österreichs herumgesprochen, dass die kremser Weine jenen der berühmten Nachbarregion nicht nachstehen. Dabei verdienen nicht nur die überregional bekannten Winzer Aufmerksamkeit. Auch die weniger geläufigen Namen haben oft ausgezeichnete Tropfen zu bieten, die zudem häufig überaus günstig zu haben sind. Gerade der schwierige Jahrgang 2014 machte deutlich, wie gut die „zweite Reihe“ inzwischen aufgestellt ist.

Grüner Veltliner

Wie nahezu überall in Niederösterreich, spielt hier der Grüne Veltliner mit Abstand die wichtigste Rolle. Etwas mehr als die Hälfte der ganzen Anbaufläche ist mit ihm bepflanzt. Die großen Standort- und Bodenunterschiede – von Urgesteinverwitterung im Westen und Norden bis hin zu reinem Löss im Osten, dazwischen Konglomerat- und Übergangsböden sowie vor allem in Donaunähe und im Süden auch Schotter, Lehm und Kalk – mit ihrem differenzierten Kleinklima, aber auch ganz und gar verschiedene Betriebsphilosophien sorgen für eine erstaunliche Vielfalt an Weinstilen; langweilig wird es einem im Kremstal also selbst dann nicht, wenn man nur beim Veltliner bleibt. Continue reading

Der Stand der Dinge: Weiße Burgundersorten

Es bleibt in der Familie

Echte weiße Burgundersorten (genauer: Pinot-Sorten) gibt es in Deutschland eigentlich nur zwei: Weiß- und Grauburgunder, die nichts anderes sind, als farbliche Mutationen des Pinot Noir. Das macht sie zudem weitgehend identisch mit den roten Schwarzriesling und Samtrot, die in dieser Folge ebenfalls aus Pinot Noir mutierten. Tatsächlich zählen wir jedoch auch Chardonnay und Auxerrois zu den Burgundersorten. Beide sind natürliche Kreuzungen zwischen Pinot und Heunisch (Gouais Blanc, übrigens auch einer der 3 Elternteile des Rieslings), also immerhin Verwandtschaft.

Alle Varianten zählen zu den nichtaromatischen oder „neutralen“ Rebsorten, was ein wenig irreführend ist, da die Weine zwar nicht ausgeprägt aromatisch oder fruchtbetont sind, aber durchaus über ihren jeweils charakteristischen, eben nicht neutralen Ausdruck verfügen. Gleichwohl ist ihre aromatische Zurückhaltung wohl der wichtigste Grund dafür, dass man den Burgundersorten im Keller etwa mit biologischem Säureabbau, besonders langem Hefelager sowie Ausbau in mehr oder weniger großen beziehungsweise neuen Holzfässern häufig Behandlungen zur gezielten Geschmacksbeeinflussung angedeihen lässt, die in Deutschland für aromatischere Sorten, insbesondere den Riesling, bis vor kurzem weitgehend verpönt waren und erst langsam wiederentdeckt werden. Continue reading

Und wir sind noch lange nicht fertig!

Wein-Plus-Weinführer knackt die Marke von 100000 veröffentlichten Weinen

Als wir im Frühjahr 2000 mit den Verkostungen für den Wein-Plus-Weinführer begannen, hatten wir noch keine Vorstellung davon, ob unser Bemühen überhaupt wahrgenommen werden würde, geschweigedenn, wie groß das Projekt einmal werden sollte. Dass alles mit einer Katastrophe begann, war unserer Zuversicht auch nicht gerade förderlich. Es war noch nicht ein Wein probiert, als die Regale vorsichtshalber unter den ersten paar hundert registrierten Weinen zusammenbrachen und den Kellerraum, in dem ich während der ersten Jahre untergebracht war, zentimeterhoch unter Wein setzten. Eine Woche dauerte die Reinigung des Kellers, eine weitere der Aufbau standfestere Regale. Die Weine wurden noch einmal angefordert, wo gewünscht auch gegen Rechnung. Unser Mut hatte mehr als ein paar Kratzer.

Doch es funktionierte. Jahr für Jahr stieg die Zahl der angestellten Weine ebenso, wie die der Leser. Daran änderte auch die Einführung eines jährlichen Mitgliedsbeitrags nichts, der es uns überhaupt erst ermöglichte, einigermaßen wirtschaftlich zu arbeiten. Einige Beobachter warnten uns damals eindringlich: im Netz, so hieß es, würde niemand für Inhalte bezahlen, für derart spezielle schon gar nicht. Ein Irrtum, wie der nun schon 15 Jahre andauernde Erfolg von Wein-Plus deutlich macht. Continue reading

Österreich im Fokus: Wagram

Am Anfang war der Löss

Der neben seinen berühmteren Nachbarn Wachau, Kamptal und Kremstal oft ein wenig übersehene Wagram ist die Heimat einer ganzen Reihe erstklassiger Produzenten, deren Weine häufig selbst in der Spitze noch außerordentlich preiswert bleiben. Mit Abstand wichtigste Sorte ist der Grüne Veltliner, der insbesondere auf der dem Gebiet seinen Namen gebenden, etwa 30 Kilometer langen Geländestufe im nördlich der Donau liegenden Teil der Region mit ihrer oft meterdicken Lössauflage ideale Bedingungen vorfindet. Continue reading