Österreich im Fokus: Kamptal

Das Kamptal zeigt auch in schwierigeren Jahren, dass es zu den qualitativ stärksten Anbaugebieten Österreichs gehört, wie wir das erst im letzten Jahr eindrucksvoll gesehen haben. Der Unterschied zu den richtig guten Jahrgängen ist daher auf den ersten Blick nicht besonders auffällig, zeigt sich aber doch im Detail. Auch die kleineren Weine und solche aus den weniger prominenten Rebsorten und den Kellern unbekannterer Produzenten sind dann meist von auffälliger Güte. So auch 2015. Unter den rund 150 Weinen, die wir heuer probiert haben, findet sich nicht ein einziger wirklich schwacher Wein. Da wir auch über das Kamptal als Weingebiet bereits alles Wichtige wohl schon mehrmals geschrieben haben, stellen wir dieses Jahr die Winzer im Einzelnen vor, die Proben für die aktuelle Verkostung eingereicht haben. Continue reading

Österreich im Fokus: Wien und Carnuntum

Da diese Serie nun schon einige Jahre existiert, ist über die einzelnen Gebiete inzwischen fast alles gesagt, vieles wohl schon mehrfach. Im Folgenden sei deshalb mehr auf die Produzenten, ihre Entwicklung und ihr Weinstil eingegangen. Es werden dabei lediglich Produzenten berücksichtigt, die in den letzten Monaten Weine vorgestellt haben, sehen Sie es uns also bitte nach, wenn viele bekannte Namen noch fehlen. Wir stellen weitere Betriebe vor, sowie wir ihre aktuellen Weine probieren konnten.

Wien

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie gut die Wiener Weine selbst von weniger bekannten Produzenten sind. Die berühmte Heurigen-Kultur und der damit verbundene, eher problemlose Absatz scheint sich ganz und gar nicht negativ auf die Qualität der Weine auszuwirken, wie das andernorts durchaus geschieht, wenn ein Großteil der Produktion an Touristen ausgeschenkt wird. Die in der Stadt produzierten Weine sind zwar in den meisten Fällen ausgeprochen süffig, nur liegt das hier nicht daran, dass sie oberflächlich wären, vordergründig fruchtig, süßlich oder banal. Ganz im Gegenteil. Wie kaum einer anderen Weinregion gelingt Wien der Spagat zwischen früher Zugänglichkeit und Charakter, unkompliziertem Trinkspaß und Finesse; selbst die Basisweine haben hier oft schon Klasse. Mit der noch jungen Wiener Gemischter Satz DAC, dessen beste Vertreter zu den bemerkenswertesten Weißweinen des Landes gehören können, hat das Gebiet zudem ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal. Continue reading

Österreich im Fokus: Steiermark 2015 – Basis- und Ortsweine

Wenn puschal von einem großen Jahrgang die Rede ist, ist üblicherweise Vorsicht geboten. Wer sich etwa von den enthusiastischen Lobreden, die über den Jahrgang in Deutschland laut wurden und werden, verleiten lässt, ohne vorherige Probe größere Mengen Wein zu kaufen,  läuft Gefahr, ziemlich oft ein langes Gesicht machen zu müssen, wenn er die ersten Flaschen öffnet. Der Jahrgang ist in den deutschen Anbaugebieten einer der Uneinheitlichsten der letzten 10 Jahre.

In der österreichischen Steiermark sieht das Bild nach den Verkostungen der ersten rund 230 Weine jedoch ganz anders aus. Noch nie habe ich hier ein Jahr erlebt, in dem bereits die Einstiegsweine der meisten Weingüter so gut waren wie 2015. Continue reading

Österreich im Fokus: Burgenland

Das Burgenland, das sich rund um den Neusiedler See, aber zwischen Ungarn und der Steiermark auch noch weit nach Süden erstreckt, ist nach Niederösterreich nicht nur das zweitgrößte Weinbaugebiet Österreichs, es ist womöglich auch das vielseitigste. Hierher kommt ein großer Teil der besten Rotweine des Landes, im Osten des Sees vor allem aus Zweigelt produziert, im Westen und Süden überwiegend aus Blaufränkisch. Aber auch aus anderen Sorten wie St. Laurent, Cabernet Sauvignon, Syrah oder Merlot entstehen im ganzen Gebiet beachtliche, bisweilen auch großartige Weine. Vor allem im Seewinkel im Südosten sowie auf der gegenüberliegenden Seite um Rust werden zudem mit großer Zuverlässigkeit edelsüße Prädikatsweine erzeugt, die in der Spitze ohne Zweifel zu den besten der Welt gehören. Weniger bekannt ist das Gebiet für seine trockenen Weißen, wenn auch zu unrecht. Die Chardonnays können außergewöhnlich gut ausfallen, und auch aus Weiß- und Grauburgunder, Neuburger, Sauvignon, vereinzelt Grünem Veltliner und sogar Welschriesling produzieren die besten Betriebe regelmäßig Erstklassiges. Continue reading

Trinkbefehl! (II/2016)

Deutschland 2015 Spezial – trockene Weißweine

Sagen wir es geradeheraus: wer 2015 blind einkauft, weil er den vielen enthusiastischen Lobreden Glauben schenkt, kann unter Umständen fürchterlich auf die Nase fallen. Die Weine des Jahrgangs können erstklassig sein, vermutlich sogar groß, aber ebensogut auch ziemlich unlustig. Oder, noch schlimmer: tückisch. Wo zu früh gelesen wurde, ist der Fall immerhin meist einfach, weil die Weine dünn und banal schmecken, immer wieder auch ein wenig künstlich, trotz hoher Säure zudem nicht selten leblos. Dann aber wird es schon schwieriger; 2015 ist ein gerbstoffreiches Jahr, auch bei den Weißweinen. Doch je nachdem wie groß die Trockenheit ausfiel, wie nah man einer idealen Traubenreife kam und wie sorgfältig die Selektion am Ende war, um etwa Beeren mit Sonnenbrand auszusondern, fallen die Phenole in den Weinen aus. Von rau und stumpf bis seidig, von aromatisch bis abweisend bitter ist alles dabei. Das Dumme ist nur: man merkt es oft nicht gleich. Mancher Wein, der im ersten Moment animierend griffig und saftig wirkt, schmeckt nach einigen Minuten an der Luft schon stumpf; die Tannine werden rau, der vermeintliche Saft besteht womöglich nur aus Zucker. Man nehme sich also Zeit zum Probieren, kostet am besten erst eine Flasche über 2 Tage, bevor man sich größere Mengen in den Keller legt. Wer auf Wettbewerbssieger setzt, wo die Verkoster die Weine meist nur für Sekunden im Glas haben, könnte die eine oder andere unangenehme Überraschung erleben. Continue reading

Österreich im Fokus: Weinviertel

Das Weinviertel ist traditionell das erste Weinbaugebiet, dessen neuen Jahrgang wir uns im Rahmen der Österreich-im-Fokus-Reihe genauer ansehen. Das liegt vor allem daran, dass die meisten Weinviertler Weine bereits früh gefüllt werden und auch für den frühen Genuss gedacht sind. Ausnahmen gab es hier freilich schon immer, aber in den letzten Jahren begannen immer mehr Betriebe damit, charaktervollere, vielschichtigere Weine zu erzeugen, die nicht nur erst später auf den Markt kommen, sondern auch einige Reifezeit benötigen, bis sie zeigen, was in ihnen steckt. Viele dieser Weine fehlen klarerweise noch in dieser Zusammenfassung der ersten Verkostungen aus dem Weinviertel. Wir stellen sie, soweit wir die Proben erhalten, zu einem späteren Zeitpunkt vor.

2015 ist ein auffallend homogenes Jahr. Das wird besonders bei den einfacheren Weinen deutlich, die selten so gleichmäßig gut waren. Das Weinviertel ist das einzige Gebiet, in dem lediglich der Grüne Veltliner als DAC klassifiziert ist. Das erweist sich vor allem in schwierigen Jahren als konsequent, weil sich der Veltliner hier dann fast immr als zuverlässigste Sorte erweist. In guten Jahren allerdings sind ihm andere Sorten mindestens ebenbürtig. Kaum ein anderes Gebiet in Östereich besitzt eine ähnlich große topografische Vielfalt. So ist es nicht verwunderlich, dass je nach Gegend weiße Burgundersorten, Riesling, Muskateller, Traminer oder auch Rotweine beste Bedingungen vorfinden können. Zumindest wenn das Wetter mitspielt, wie das 2015 zumindest dort, wo der Hagel keine großen Verwüstungen angerichtet hat, der Fall war. Continue reading

Österreich im Fokus: Thermenregion

Das Weinbaugebiet Thermenregion gibt es unter diesem Namen erst seit 1985. Doch das soll nichts heißen. Bereits die Römer erkannten vor mehr als 2000 Jahren die klimatischen und geologischen Vorzüge der Region, deren Weinberge sich heute zwischen der südlichen Stadtgrenze von Wien über Baden an Wiener Neustadt vorbei und vereinzelt bis nach Neunkirchen vor allem entlang des Ostrands des Wienerwaldes erstrecken.

Wie gut die Bedingungen sind, veranschaulicht auch die Vielfalt der hier angebauten Rebsorten; in den Weingärten der Thermenregion ist nahezu alles vertreten, was Österreich zu bieten hat – und noch ein bisschen mehr. Denn der Ruf des Gebietes fußt heute in nicht geringem Maße auf zwei Rebsorten, die man ansonsten fast nirgends auf der Welt findet: Zierfandler (auch Spätrot genannt) und Rotgipfler, beides aller Wahrscheinlichkeit nach natürliche Kreuzungen aus Traminer und Rotem Veltliner. Die beiden werden einzeln, aber auch als – meist Spätrot-Rotgipfler bezeichnete – Cuvée produziert, wobei vor allem der Zierfandler häufig mit mehr oder weniger Restsüße ausgestattet ist (auch erstklassige hochgradige Dessertweine werden angeboten), während der Rotgipfler meist trocken oder weitgehend trocken ausgebaut wird und hier die ganze Bandbreite vom eleganten feinsaftigen und -würzigen Basiswein bis zum kraftvollen Medtationswein abdecken kann. Eine ähnliche Bedeutung hat im Weißweinbereich hier nur der Chardonnay. Gleich eine ganze Reihe Betriebe produziert halbwegs regelmäßig Chardonnays, die mindestens zu den besten Niederösterreichs gehören können. Continue reading

Trinkbefehl! (1/2016)

Meine Empfehlungen aus den Proben der letzten Wochen

Weingut des Monats: Az. Agr. Foradori

Nachdem das Weingut im Jahr 2002 mit der Umstellung auf biodynamische Wirtschaftsweise umgestellt hatte, begannen sich die Weine von Elisabetta Foradori ab Ende der „Nullerjahre“, spätestens aber zu Beginn des neuen Jahrzehnts deutlich zu verändern. Sie wurden merklich kühler, herber und eleganter und gewannen gleichzeitig noch an Tiefe. Die aktuellen Weine stellen sicher den bisherigen Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Das beginnt schon beim kühlen, geschliffenen Standard-Teroldego, der mit seinem säuerlich-herben Saft und seiner ins Salzige gehenden Mineralik einen erstklassigen Essensbegleiter abgeben wird, wenn man ihm noch ein Jahr Reife zuteil werden lässt. Noch mehr Zeit brauchen die beiden Crus „Morei“ und „Sgarzon“, beide ausgesprochen kühl, ganz Finesse und bei gerade einmal 12% Alkohol frappierend tief, vielschichtig und ausdrucksstak. Auch Foradoris legendärer „Granato“, wenngleich mit mehr Kraft, ist so kühl, geschliffen und spannend wie noch nie. Fehlen noch die Weißen, die ebenfalls nicht viel Alkohol brauchen, um zu beeindrucken. Die beiden „Fontanasanta“ sind herb, griffig, feinsaftig und würzig, beide verfügen über einigen Gerbstoffgriff, der Nosiola ist nur noch etwas tiefer und komplexer als der für sich bereits ausgezeichnete Manzoni. Kurz: alles hat hier ganz eigenen Charakter und außergewöhnliche Klasse.

Weitere Empfehlungen

Riesling

2014 Niersteiner Pettenthal ***, Schätzel, Rheinhessen, 35€
Macht eindrucksvoll deutlich, wie gut trockener Riesling auch bei niedrigen Alkoholgraden sein kann: kühl, dicht und tief, mit noch deutlich hefigen Tönen, ganz eigener, herber kräuterig-pflanzlicher Würze und heller Mineralik.

2014 Maximin Grünhäuser Herrenberg Alte Reben trocken, von Schubert, Mosel, 14, 80€
Fest, kühl, saftig, kräuterig und ausgesprochen mineralisch, trotz des niedrigen Alkohols mit Substanz und Tiefe, vielschichtig und lang. Die schlanken und doch ungemein ausdrucksstarken trockenen Rieslinge von Maximin Grünhaus gehören schon seit Jahrzehnten zu den besten Weinen ihrer Art im Gebiet – und dennoch gibt es immernoch erstaunlich wenige Betriebe, die dem Beispiel folgen. Continue reading

Österreich im Fokus: Wachau

In ganz Niederösterreich kamen die Veltliner mit den Jahrgangsbedingungen 2014 merklich besser zurecht als viele andere Sorten, was in der Wachau besonders oft im Vergleich zum Riesling deutlich wird. Zwar haben uns viele Spitzenproduzenten heuer keine Weine vorgestellt, vor allem, weil die Mengen ohnehin schon ziemlich klein waren, aber für einen aussagekräftigen Überblick sollten die probierten Weine durchaus reichen.

Demnach waren selbst die Riesling Smaragde einiger hochklassige Betriebe und aus berühmten Lagen im Gegensatz zu den durchweg überzeugenden Veltlinern nicht so ausdrucksstark wie gewohnt. Sie wirkten bisweilen eher karg und säurebetont, manchmal auch leicht grün. Umso bemerkenswerter ist die Leistung der erfolgreichen Güter in diesem Jahr. Denn es gibt auch 2014 erstklassige Rieslinge in der Wachau, nur muss man eben etwas gründlicher nach ihnen suchen. Continue reading